KW 12

von ansich

Über Erregung

Es gab letzte Woche wieder viele Newsticker, Seiten, auf denen twitterkurze Meldungen standen, chronologisch mit Sekundenanzeige sortiert. Als journalistisches Äquivalent des Gefühls, immer den neuesten Stand der Entwicklungen verfolgen und nichts verpassen zu wollen, sind Newsticker für mich ein Zeichen dafür, dass etwas Krassses, ‚Außergewöhnliches‘ vorgefallen sein muss. Wenn es Newsticker gibt, handelt es sich nicht um ‚general‘, sondern um ’spot‘ news, eine Unterscheidung, die ich auch erst vor Kurzem lernte, als es um Kriterien für das World Press Photo of the Year ging.

Newsticker sagen dir nicht nur, wann was passiert ist: Jederzeit muss auch was passieren, um sie um füllen, um der Struktur zu gehorchen, um die Erwartungen der Rezipienten, die Zahl der Klicks aufrechtzuerhalten. Informationen werden von Newstickern nicht nur geordnet, sondern generiert. Es kann nicht nichts geben, oder eine Warteschleife, die Bestie braucht Futter, im Sekundentakt: Das führt dazu, dass Sätze, deren Nachrichtenwert allenfalls behauptet wird, dich ständig in Alarmbereitschaft halten: Sei wachsam, die nächten Sekunden könnten entscheidend sein. Und mit dieser Erwartungshaltung, die in der Echokammer der Sozialen Medien viel lauter widerhallt als früher, mit der unmittelbaren Evidenz für dich und dein Leben spielen Medien, wenn sie Themen mit Newstickern versehen, die längst nicht mehr ’spot‘, sondern ‚general‘ news, sind, weitreichender, anhaltender.

Focus Online hat z.B. einen Newsticker zur ‚Flüchtlingskrise‘ eingerichtet.

Meiner Meinung nach sollten Newsticker nicht mehr Herzschrittmacher unserer Erregungspotentiale spielen, oder nur da, wo sie hingehören: zum Fußball.

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Ich war beim Zahnarzt die Woche. Zweimal, mehrstündige Behandlungen. Was hilft, wenn man angefräst an die Decke schaut und auch der Monetkunstdruck dir nicht bei dem Gedanken hilft, dass du in letzter Zeit zu viele Folterfilme gesehen hast? Podcasts! Besser als Musik, die ich fortan emotional mit Sauggeräuschen assoziiere, besser als Hörbücher, deren Sätze dem Bohrer zum Opfer fallen könnten.

Was ich gehört habe?  Anna und Dawit oder ‚Das stille Kämmerchen‘ mit ihrem Cast so mittellaut. Die beiden berichten von ihrem Alltag, der, wie bei uns Allen, Alles und Nichts, wichtig und nichtig zugleich ist. Der einzige Nachteil: man will die ganze Zeit mitreden, was nicht geht, schon gar nicht vom Zahnarztstuhl aus.

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